Mit seinem ersten Roman „Der Schatten des Windes“ hat der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón einen Welterfolg erreicht. Mit Spannung wurde sein zweiter Roman erwartet: „Das Spiel des Engels“:
……..Zafón verwendet im „Spiel des Engels“. Motive aus der literarischen Romantik. Es gibt dunkle Mächte, geheime Türen, Keller mit weißgekleideten Maskenmännern, verborgene Zimmer wie Totenkammern, automatische Puppen als Doppelgänger.
Und so erscheint Zafón als ein Erbe von Ludwig Tieck und E.T.A. Hoffmann. In der Romantik entstand die Idee vom Ich, das sich seine Welt selbst erschafft. Diese Kreativität sprudelt bei Zafon nur so heraus und stürzt den Leser von einer Verwirrung in die nächste.
Es gibt allerdings Hinweise auf Schnittstellen, an denen der Ich-Erzähler durch die Vorhänge der verschiedenen Welten schlüpft. Die Handlung wird manchmal innerhalb weniger Zeilen derart beschleunigt, dass man schwindelig wird. Abläufe folgen häufig der Logik von wilden Träumen.
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Das „Spiel des Engels“ ist zeitlich vor Zafóns erstem Buch, dem „Schatten des Windes“ angesiedelt. Wer es gelesen hat, wird sich an den Buchhändler Sempére erinnern. Er tritt hier als junger Mann auf. Im Spiel des Engels tauchen noch andere vertraute Themen und Orte auf. Inhaltlich überschreitet das neue Buch jedoch alle Grenzen des alten. Die Handlung ist in weiten Teilen nicht mit den Maßstäben der Realität messbar. Der Roman ist kühn und phantastisch konstruiert, ein wucherndes Rankenwerk von „gothic novels“ vergleichbar den verspielten Mustern der neogotischen Kathedrale der Sagrada Familia von Gaudi.